Zum Gallery Weekend Berlin ist der stocubo Showroom in Berlin-Mitte Ausstellungsort für 44flavours – Malerei, Keramik und Objekte, die zeigen, wofür das Duo seit über zwanzig Jahren steht.

Sebastian Bagge und Julio Rölle haben sich im Studium kennengelernt – 2003 folgte ihr erstes gemeinsames Projekt: ein Magazin namens 44flavours. Seitdem sind sie ein eingespieltes Duo.
Ihre Praxis bewegt sich zwischen Malerei, Installation und Skulptur: Sie arbeiten auf Leinwand, Papier und Holz ebenso wie mit selbst gefertigten Keramiken, Objekten und großformatigen Arbeiten im öffentlichen Raum. Jedes Material wird dabei zum Ausgangspunkt, jede Arbeit zur Antwort auf die vorherige.
Bei einem Besuch in ihrem Atelier konnten wir ihre neuesten Arbeiten entdecken und uns mit den beiden über ihre Kunst, ihren Arbeitsprozess und die Geschichten hinter den Werken austauschen.








Seit 2003 seid ihr ein Duo – wer von euch beiden hat damals eigentlich wen überredet?
Hat der Name 44flavours eine Geschichte?


Wie sieht euer Arbeitsprozess aus?
Der Bogen zum Beispiel taucht immer wieder auf – er kann eine Brücke sein, ein Durchblick, ein Übergang oder eine Schwelle (ebenfalls ein Ausgangspunkt dieser Ausstellung). Er ist wie ein Wort oder ein Zeichen, das wir beide kennen und mit dem wir agieren und kommunizieren können. Wenn ich ältere Arbeiten sehe, verstehe ich sofort, was der andere damit gemeint hat – und daraus entsteht vielleicht eine Skulptur, oder ich denke die Form ganz neu und baue daraus etwas Neues.


"Wir arbeiten mit dem, was wir das „Alphabet der Form" nennen – eine Bildsprache, die sich durch alle unsere Arbeiten zieht. Diese Formen besprechen wir gemeinsam, nehmen sie auseinander und kombinieren sie neu."
Was ist das seltsamste Ding, auf das ihr jemals etwas gemalt habt?
Was wäre euer Traumobjekt, das noch auf seine Verwandlung wartet?

Foto: ©44flavours

Foto: ©44flavours
"Was wir hinterlassen, sind keine abgeschlossenen Objekte, sondern offene Interventionen – temporäre Fenster in andere Sphären. Materialien verändern sich, Spuren verwittern, und oft bleibt weniger ein Werk als die Erinnerung an einen Moment, eine Begegnung, einen Prozess."

Foto: ©44flavours
Kunst kennt bei euch keine festen Orte. Von Berlin bis Südamerika, von Wänden bis Booten: Was bedeutet das Reisen für eure Arbeit?
Reisen ist für uns keine bloße Ortsveränderung, sondern eine Methode – ein erweitertes Atelier ohne feste Wände. Das Verlassen der vertrauten Umgebung schärft unsere Wahrnehmung und intensiviert Begegnungen. Unsere Arbeiten entstehen im direkten Dialog mit dem Ort – nicht im Voraus, sondern vor Ort, im Zusammenspiel mit Architektur, Geschichte und sozialer Energie. Dieses Action-Reaction-Prinzip hilft uns, verborgene Potenziale sichtbar zu machen. Der Austausch mit Menschen und anderen Künstler*innen ist dabei zentral – er prägt unsere Praxis, die seit jeher kollektiv gedacht ist.
Und was hinterlasst ihr an den Orten, die ihr bespielt?
Was wir hinterlassen, sind keine abgeschlossenen Objekte, sondern offene Interventionen – temporäre Fenster in andere Sphären. Materialien verändern sich, Spuren verwittern, und oft bleibt weniger ein Werk als die Erinnerung an einen Moment, eine Begegnung, einen Prozess. Unsere Haltung ist von Offenheit geprägt: Die Arbeit passt sich dem Ort an, nicht umgekehrt.
Reisen bedeutet auch Verantwortung – Orte nicht zu konsumieren, sondern ihnen mit Respekt zu begegnen und etwas zu hinterlassen, das verbindet, ohne zu überlagern.
stocubo ist modular, wandelbar, stapelbar – wenn ihr daraus eine Kunstinstallation machen müsstet, was wäre das?
44flavours
ROAM AROUND
stocubo Showroom
Tucholskystraße 31, Berlin-Mitte
Vernissage:
Freitag, 01. Mai: 17:00–22:00 Uhr,
Samstag–Sonntag, 02.–03. Mai: 12:00–17:00 Uhr
Im Showroom:
04.–16. Mai,
Montag–Freitag: 9:30–18:00 Uhr,
Samstag: 12:00–17:00 Uhr












Fotos: ©44flavours