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Wie viel Raum braucht ein Kind wirklich zum Wachsen? Wir haben mit der Psychologin Laura Hollmer darüber gesprochen, wie sie für ihr Kind in einer Zweiraumwohnung einen Ort geschaffen hat, der Ruhe ausstrahlt und gleichzeitig die Selbstständigkeit fördert.

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Wie gestaltet man ein Kinderzimmer, das nicht nur schön aussieht, sondern auch gut für die Entwicklung ist? Und wie funktioniert das Ganze, wenn man in einer Zweiraumwohnung lebt und sich das Wohnzimmer mit dem Kind teilt?

Wir haben mit der Psychologin und Mama Laura Hollmer darüber gesprochen. Im Interview verrät sie uns, warum Räume das Nervensystem von Kindern beeinflussen und wie Möbel beim Selbstständigwerden helfen.

Welchen Einfluss hat die Raumgestaltung auf die Entwicklung eines Kindes?

Als Psychologin sehe ich Räume immer als Erweiterung des Nervensystems. Kinder nehmen ihre Umgebung viel intensiver wahr als wir Erwachsene. Deshalb war mir wichtig, für mein Kind einen Ort zu schaffen, der Ruhe ausstrahlt, aber gleichzeitig zum Entdecken einlädt. Ganz im Sinne von Maria Montessori: Die vorbereitete Umgebung unterstützt das Kind dabei, selbstständig die Welt zu erforschen.

Welche Rolle spielen Möbel dabei, dass sich ein Kind geborgen fühlt?

Geborgenheit entsteht für mich nicht durch schöne Möbel, sondern durch Beziehung. Möbel können diese Beziehung aber unterstützen. Wenn mein Kind seine Bücher oder Spielsachen selbst erreichen kann, merkt er: Ich darf das alleine schaffen. Genau dieses Vertrauen stärkt Kinder unglaublich.

Wie viel visuelle Unruhe verträgt ein Kinderhirn?

Ich merke das bei meinem Kind ganz deutlich. Wenn zu viel herumsteht, springt seine Aufmerksamkeit ständig weiter. Deshalb räumen wir regelmäßig gemeinsam um oder tauschen Spielzeug aus. Weniger Auswahl bedeutet bei uns tatsächlich mehr Kreativität und längere Spielphasen.

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"Geborgenheit entsteht für mich nicht durch schöne Möbel, sondern durch Beziehung. Möbel können diese Beziehung aber unterstützen."

Wie sollte ein Kinderzimmer auf die Entwicklung reagieren?

Kinder verändern sich unglaublich schnell und ihr Zimmer darf das auch. Was heute noch eine Kletterlandschaft ist, wird morgen vielleicht eine Leseecke. Mir war es wichtig, Möbel auszuwählen, die mit meinem Kind mitwachsen und sich immer wieder an seine Bedürfnisse anpassen lassen.

Was tun, wenn Eltern und Kinder unterschiedliche Vorstellungen haben?

Ich finde, Kinder dürfen mitentscheiden. Nicht über alles, sondern über das, was ihr eigenes Reich betrifft. Mein Kind soll erleben, dass seine Ideen wichtig sind. Bindungsorientierung bedeutet für mich, gemeinsam Lösungen zu finden und nicht einfach über den Kopf des Kindes hinweg zu entscheiden.

Warum hast du dich für dieses Sideboard entschieden?

Für mich musste das Sideboard vor allem alltagstauglich sein. Ich wollte, dass mein Kind selbst an seine Dinge kommt und auch selbst wieder aufräumen kann. Ordnung funktioniert aus meiner Sicht nur dann nachhaltig, wenn Kinder sie selbst gestalten können und nicht ständig auf Erwachsene angewiesen sind. Plus, da wir nur eine Zweiraumwohnung haben, müssen sowohl meine als auch seine Sachen Platz finden. Das Sideboard teilen wir uns so gesehen.

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Welche Rolle spielen Farben im Kinderzimmer?

Ich mag ruhige, natürliche Farben, weil sie dem Raum Gelassenheit geben. Gleichzeitig sollte ein Kinderzimmer aber lebendig sein. Die Farbe bringt bei uns die Bücher, die Bilder, die selbst gesammelten Schätze aus dem Wald und natürlich mein Kind selbst hinein. Das fühlt sich für uns authentischer an als ein perfekt inszeniertes Kinderzimmer. Ich habe lieber farbige Möbel als farbige Wände.

Worauf kommt es im Kinderzimmer wirklich an?

Wenn mich meine Arbeit als Psychologin und mein Leben als Mama eines gelehrt haben, dann bedeutet das: Kinder brauchen keinen perfekten Raum. Sie brauchen einen Ort, an dem sie spielen, laut sein, kreativ werden und sich sicher fühlen dürfen. Das ist für mich ein gelungenes Kinderzimmer, in unserem Fall ist das Wohnzimmer das Kinderzimmer.

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"Ordnung funktioniert aus meiner Sicht nur dann nachhaltig, wenn Kinder sie selbst gestalten können und nicht ständig auf Erwachsene angewiesen sind."

Minimalismus im Kinderzimmer sinnvoll?

Ich glaube nicht an Minimalismus als Trend. Ich glaube an bewusstes Auswählen. Mein Kind braucht keine hundert Spielsachen, sondern Dinge, die seine Fantasie anregen und lange interessant bleiben. Weniger Reize schaffen oft mehr Raum für Kreativität und ganz ehrlich: Das tut meistens auch uns, Eltern gut. Vor allem auf so kleinem Raum.

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@laurahollmer_

© Laura Hollmer